Allora ein Gruß aus der florentinischen Küche

“Allora” scheint das Lieblingswort der Florentiner zu sein. Nicht nur Ricardo, einer der Inhaber des gemütlichen Bed & Breakfast, indem ich während meines einwöchigen Aufenthaltes in Florenz nächtigte, streute es immer wieder in seine schwungvoll gehaltenen, englisch-italienischen Reden über die Geschichte der Stadt ein, sondern auch Antonio, Koch oder besser “Chef”, von dem ich in ein paar Stunden alles Wissenswerte über die florentinische Küche lernen wollte, sprach es ständig aus. Allora legen wir los: Es wird viel geköchelt. Das wird es wohl überall, zugegeben. Die florentinische Küche ist eher einfach gehalten, legt Wert auf gute und frische Zutaten und hat Gerichte, die auf dem Herd ein paar Stunden auf kleiner Flamme sieden, während der einfache Florentiner zumindest früher auf das Feld ging. Heute kann man in der Zwischenzeit die Wohnung putzen oder den neuesten Bestseller lesen.

Allora in sechs Stunden kann man natürlich kein Experte in der florentinischen Küche werden. Aber immerhin weiß ich nun wie mein Pasta-Teig sich anfühlen muss. Schon vor ein paar Jahren hatte ich mir eine Nudelmaschine gekauft, dann aber aufgegeben, weil der Teig immer zu feucht oder zu trocken war, beim Plätten in den Ritzen kleben blieb und die fertige Barilla-Nudelpackung weitaus schneller und einfacher zuzubereiten war. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Allora, pro 100g Mehl nimmt man ein Ei und ein Spritzer Olivenöl. Das ist die Portion für eine Person. In einer Schüssel wird das Ei oder die Eier in eine Mulde geschlagen, dann langsam mit der Gabel vermengen und am Ende mit den Händen zu einer Kugel verkneten. Dabei wird der Teig gefaltet. (Je nachdem wie groß die Kugel ist, diese teilen.) Auf einer Arbeitsfläche quasi die Narbe mit dem Handballen leicht runterdrücken, dann den Teig um 180 Grad drehen und von oben drücken. Und so eine Weile kneten, bis der Teig elastisch ist. Er darf nicht kleben. Eine halbe Stunde in Folie ruhen lassen und dann nach und nach durch die Nudelmaschine drehen.

Dazu gab es Antonios Ragout! Allora in Deutschland sagen wir dazu Sauce Bolognaise, was ja impliziert, dass sie aus Bologna stammt, was wiederum nicht weit von Florenz liegt aber nicht in der Toskana, wir tun es hier aber den Italienern nach und nennen die Sauce “Ragout”. Und das gibt es natürlich auch in Florenz: 2 rote Zwiebeln, 1 Möhre und 1 Selleriestange sowie 1 kleine Knoblauchzehe klein schneiden. Etwas Salbei, Rosmarin, Petersilie und Zitronenschale mit einem kochbaren Faden zu einem kleinen Päckchen zusammenbinden und alles in einem Topf mit heißem Olivenöl ca. 20 Minuten andünsten. Dann 250g Rinder- und 150g Schweinehack zugeben und ebenfalls anbraten. Das Fleisch muss braun und verschrumpelt sein, es brauch also mindestens auch 20 Minuten. Die Hitze kann ruhig höher eingestellt sein. Dann mit einem Glas Rotwein ablöschen und kurz aufkochen. 500g pürierte Tomaten, Salz und Pfeffer zugeben. Herd auf niedrigste Stufe schalten und zugedeckt köcheln lassen, mindestens 2-3 Stunden. Allora das Ragout mit der frischen Tagliatelle servieren!

Gelesen habe ich natürlich auch in Florenz und zumindest bei Alice Vollenweider gab es jede Menge kulinarische Anregungen:

  • Alice Vollenweider, die Küche der Toskana. Eine Reise durch ihre Regionen mit 13 Rezepten. Ein schönes kleines Büchlein.
  • Florenz. Eine literarische Einladung. Alte und neue Texte der italienischen Literatur, meistens kurz, ein Teil eher langweilig, ein Teil richtig schön und Dante, der alte Florentiner, ist natürlich auch dabei:
    “Freu dich Florenz, denn du bist ja so groß,
    Dass über Land und Meer du schlägst die Schwingen:
    Dein Name schallt selbst in der Hölle Schoß!”
    Es heißt, die Florentiner waren ziemlich erbost darüber, dass Dante sie zur Hölle schickte.
  • Peter Burke. Die Renaissance. Ein Essay. Muss man eigentlich lesen, wenn die Schulzeit schon ein Weilchen her ist. Gelernt: Die Renaissance war nicht der Beginn der Moderne. Sie war eine intellektuelle Bewegung, die antike Texte wieder entdeckte und versuchte griechische und römische Traditionen mit dem Christentum in Einklang zu bringen. Allora oder so ähnlich…

Alle drei Bücher sind vom Wagenbach Verlag.

Linguine auf schwankendem Teller

Ein Sommer auf einem Dorf in Thüringen 1993. Die junge Annie Veit verliert ihre Unschuld bei der Jugendliebe ihrer Mutter, Jan Pajak. Die Dorfschönheit Lydia verschwindet, schnell kursieren Gerüchte, dass es Jan gewesen sei. Der Rückkehrer, der Undurchsichtige, der auf seinem Hof fernab der Dorfgemeinschaft lebt. Annies Mutter verbringt derweil ihre Stunden auf dem Liegestuhl unter einem marineblauen Sonnenschirm, blättert sich gelangweilt durch Bücher und Frauenzeitschriften und ahnt das Unheil. Es ist ein Sommer, indem die Zeit still zu stehen scheint, dennoch vergeht und die Geschehnisse ganz konzentriert zusammen rafft.
Dann ein Zeitsprung, wir treffen Annie als Erwachsene in Berlin wieder. Sie ist in eine unglückliche, hörige Liebe zum Intellektuellen Leo verstrickt, von Angstattacken befallen und dennoch unfähig sich zu lösen. Und plötzlich taucht Jan Pajak wieder auf.

Dann in einem Restaurant, Annie und Leo gehen aus, die Panik befällt sie urplötzlich. Sie spürt einen Druck auf der Brust, zittert, kann kaum noch atmen. Der Teller mit einer Gemüse-Linguine wird vor sie gestellt:

“Der Teller war ein Traum aus Linguine und feinstem Gemüse, aber auch groß und schwankend, immer größer werdend wie ein dem Ertrinkenden bedrohlich näher kommendes Schiff.” (S. 123)

Lasagne in São Paulo

Die Berlinale ähnelt jedes Jahr einer Wundertüte. Eine Woche vor Start erscheint das Programm, fiebrig vor Vorfreude liest man sich durch 15 Sektionen, 400 Filme und aufgrund einer kurzen Beschreibung versucht man daraus eine Handvoll guter auszuwählen. Mit etwas Glück ist auch ein späterer Preisträger dabei. Dieses Jahr hatte ich im Panorama den Gewinner des PublikumspreisesQue horas ela volta” (The Second Mother) erwischt und ich darf gleich vorweg sagen: Dieser Film war auch mein Berlinale-Highlight.

Val ist seit 15 Jahren Haushälterin bei einer reichen Familie in São Paulo. Den 17-jährigen Sohn hat sie großgezogen und liebt ihn wie ein eigenes Kind. Von der Hausherrin Donna Barbara fühlt sie sich respektiert. Sie putzt, sie kocht, lebt in einer kleinen Kammer im Haus und verhält sich ruhig. Ihre eigene Tochter Jéssica musste sie damals im Heimatort zurücklassen, seltene Telefonate halten den Kontakt mühsam aufrecht. Doch dann kündigt Jéssica sich an. Sie möchte an der renommiertesten Universität der Stadt Architektur studieren und erst mal bei ihrer Mutter wohnen. Selbstbewusst ist sie, stolz und keineswegs bereit sich wie die Tochter einer Haushälterin zu benehmen. Denn sie sieht sich auf Augenhöhe mit der anderen Familie und bringt damit den kleinen Kosmos, indem jeder seinen Platz zu kennen hat, durcheinander.

Als Val zum Flughafen fährt, um Jessica abzuholen, bereitet sie für Donna Barbara eine Lasagne vor.

Blütenhonig-Milch

Die Bienen” haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Der Einstieg versprach viel. Das Leben einer Biene, erzählt aus der Sicht einer Biene im Debütroman Laline Paulls. Flora 717 wird geboren als Hygienearbeiterin und ist mit Fähigkeiten ausgestattet, die sie bald die soziale Leiter aufsteigen lassen in der strengen Hierarchie des Bienenstocks. Immerhin: Ich habe einiges über das Leben von Bienen gelernt, über Kommunikationswege, Fortpflanzung, Arbeitsteilung und Umweltgefahren. Das war zunächst interessant. Aber: Um das zu erfahren, kann ich auch ein Sachbuch lesen.  Denn “Die Bienen” starteten zwar vielversprechend, verärgerten mich aber zunehmend mit einem kindlichen Erzählton und einem Plot, der sich an 5-Jährige richten könnte, wenn das splatterartig geschilderte Morden der Bienen untereinander nicht wäre.

Im Bienenstock wird (natürlich) Honig produziert und gegessen. Die fleißigen (weiblichen) Bienen versorgen die faulen (männlichen) Drohnen (die wiederum später dann von den weiblichen Bienen abgeschlachtet werden):
“Die Drohnen zeigten im Fächelsaal keinerlei Zurückhaltung, und wie alle anderen Schwestern auch schaute Flora erstaunt zu, wie sie unterschiedliche Honigsorten kosteten, aus überschäumenden Eimern rohen Nektar tranken und Fächelschwestern aus dem heiligen Kreis rissen, um mit ihnen zu tanzen.” (S. 53)

Heiße Schokolade mit Orange und Kardamom

Vier Generationen, drei Kriege, eine ballettanzende 90jährige, eine mordende Musikerin, die schöne Christine mit dem verätzten Gesicht, die an gebrochenem Herzen sterbende Daria und ihre Schwester, die Erzählerin, die in Berlin wie ein aus der Laufbahn geratener Stern lebende Niza. Nino Haratischwili lässt in ihrem georgischen Familiendrama “Das achte Leben (Für Brilka)” die Frauen einer Familie das Glück unter russischer Besatzung suchen. Das Rezept Ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters, eines Konditormeisters hüten sie alle und geben es von Generation zu Generation weiter. Eine heiße Schokolade: so gut, so verlockend und doch gefährlich für denjenigen, der zu viel von ihr kostet. Über der Schokolade hängt ein Fluch, davon sind sie überzeugt. Stasia ist die erste, die das Rezept erfährt und die Schokolade trinken darf:
“Dann bekam sie eine kleine, dünnwandige Tasse, leicht wie eine Feder, mit einer schweren schwarzen Flüssigkeit darin, die sie mit ihrem Silberlöffel anfing zu schlemmen. Ihr Gaumen: zu unglaublichen Freuden erwacht, ihr Kopf: berauscht von dem Geschmack, ihre Zunge: betäubt. Sie kostete, Löffel um Löffel, und vergaß für ein paar Minuten die Welt um sich herum.” (Buch 1, Stasia , Pos. 898)

Köstlicher Kürbis mit Kardamom

Im Blog war es eine Weile sehr ruhig. Kein Wort zu einer Pause, keines zu einem offiziellen Ende oder wann es weiter geht. Sorry! Als ich das Blog anfing zu schreiben, sagte ich mir, ich mache es nur solange es Spaß macht. Und es darf keinerlei Zwang herrschen. Doch irgendwie fühlte ich im Herbst einen gewissen Druck: regelmäßig etwas zu publizieren, die Bücher danach auszusuchen (nicht zu dick und hoffentlich wird gegessen!) und das, was ich koche, nicht mehr frei bestimmen zu können. Die letzten Monate der Stille habe ich also gekocht und gelesen wie mir der Sinn stand. So langsam bekomme ich wieder Lust zu bloggen, doch in Zukunft werde ich unregelmäßiger schreiben (vielleicht schaffe ich es dann endlich mal Dostojewski zu lesen). Schaut einfach ab und zu vorbei, werdet Fan auf Facebook oder abonniert den Newsletter, um keinen Eintrag zu verpassen.

Heute möchte ich Euch kurz mein neues Lieblingskochbuch von Yotam Ottolenghi vorstellen. Schon vergangenes Jahr hatte ich über sein wunderbares Jerusalem-Kochbuch geschrieben, dieses Mal geht es um die vegetarische Küche. Ich höre schon den Aufschrei der Fleischliebhaber und sage gleich dazu: Ottolenghi ist kein Vegetarier. Er gibt des öfteren Tipps, zu welchem Fleisch das jeweilige Gericht gut passen würde. Oriental und mediterran angehaucht, kocht Ottolenghi in seinem neuesten Werk wild klingende Kombinationen wie zum Beispiel gerösteten Rosenkohl mit Pomelo oder gedünstete Brombeeren mit Lorbeer-Creme und Gin. Mittlerweile habe ich schon einiges nachgekocht und bin ziemlich begeistert. Der Rosenkohl war nicht meines, dafür aber die Brombeeren!  Die Zutaten klingen bisweilen etwas exotisch und schwer zu bekommen. Manchen mag das vom Kauf des Buches abschrecken, letztendlich lässt sich das meiste aber gut im Biolebensmittelladen besorgen.

Eine Zwiebel Punkt zwölf Uhr

Im September hat Lutz Seiler mit seinem Roman Kruso den Deutschen Buchpreis gewonnen. Er galt als Favorit, insofern war es keine Überraschung, auch wenn nicht alle Feuilletonisten darüber begeistert waren. Konzeptionelle Schwächen und sprachliche Überladung wirft ihm Andreas Platthaus in der FAZ vor. Nun, das stimmt. Ja. Wer keine magisch aufgeladene Sprache mag, Bilder, die sich vom Realismus entfernen und eine Handlung, die nicht immer stringent ist, der sollte Kruso nicht in die Hand nehmen. Wer sich aber von Sprache gerne verzaubern lässt, für den ist es das richtige Buch diesen Herbst.

Edgar Bendlers Freundin ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. In seiner Trauer flüchtet er auf die Insel Hiddensee im Sommer 1989 und findet dort eine Beschäftigung als Abwäscher im Klausner. Das Gasthaus ist ein Zufluchtsort für Gestrandete in der DDR. Freigeister und Suchende. Wie ein Schiff auf hoher See stemmt sich die Mannschaft gegen den Sturm der Sommergäste und schnuppert den Duft der Freiheit im Meereswind. Ed trifft dort auf Kruso, mit dem ihn schnell eine tiefe Freundschaft verbindet. Auch Kruso trauert: Seine Schwester verschwand als er ein Kind war.

Die Arbeit im Klausner in den Sommermonaten ist hart: “Eds Frühstück kam gleich nach Arbeitsbeginn, aber das Mittagessen ließ auf sich warten; […] Oft verspürte Ed schon vor zwölf Uhr einen unabweisbaren Hunger. Irgendwann nahm er eine der Zwiebeln in die Hand und verspeiste sie wie einen Apfel, ohne innezuhalten. Zwiebel war (neben Blutwurst) die einzige Sache, die Ed nicht oder nur äußerst ungern aß – jetzt schmeckte sie ihm. […] Von da an nahm sich Ed an jedem Tag Punkt zwölf Uhr eine der großen selbstgeschälten Zwiebeln, […].” S. 61f

Zwei Teller Chili con Carne

Chili2Heute gibt es nur einen kurzen Blogbeitrag. Ich muss gleich noch in’s Kino. Meine Cousine spielt in “Ein Geschenk der Götter” mit und es gibt einen kleinen Familienausflug, um sie und den Film zu sehen.
Ein kurzer Beitrag passt aber auch zum Buch, denn es sind nur schriftstellerische Fragmente. Der letzten Sommer verstorbene Wolfgang Herrndorf hat “Bilder Deiner großen Liebe” nicht mehr beenden können. Isa, das Mädchen auf der Müllkippe, der wir schon im grandiosen Road Movie Tschick begegnet sind, ist aus der psychiatrischen Anstalt abgehauen und wandert durchs Land. Dabei trifft sie die unterschiedlichsten Menschen, zum Beispiel einen ehemaligen Bankräuber, der nun Kanfahrer ist und sie ein Stückchen mitnimmt:

“Fast wäre ich schon eingeschlafen, da brüllt jemand am Heck: “Essen!” Zwei Teller Chili stehen auf einem Tisch neben der Brücke. Ein Glas Wasser und eine Flasche Bier. Eine Petroleumlampe wirft vier Lichttrapeze in die Nacht, von denen eins am Ufer neben uns herfährt. […] “Und zwei oder drei Stunden nach Mitternacht sind wir da. Dann legen wir an.” Ich schweige. Ich esse mein Chili. Er hat wir gesagt. Das reicht mir fürs Erste.” (S. 42f)

Die richtige Wahl: Seeteufel mit Walnusspesto

“Christine? Like the car?” – “Yes, Christine, like Stephen Kings mad gone car.” Meine allererstes und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch letztes Gespräch mit Stewart O’Nan hatte ich mir dann doch etwas intellektueller vorgestellt. Und wahrscheinlich würde kein ranghoher deutscher Autor offen zugeben, ein Fan vom Schauder-Schmuddelkönig Stephen King zu sein. Stewart O’Nan hatte jedoch damit kein Problem als er auf dem Berliner Literaturfestival im September sein neuestes Werk “The Odds” (dt: Die Chance) vorstellte. Darin erzählt er die Liebesgeschichte eines alternden Ehepaars.

Marion und Art Fowler reisen noch einmal zu den Niagara Fällen, wie schon 30 Jahre zuvor in ihren Flitterwochen. Art möchte das letzte Geld auf’s Glückspiel setzen, um sie vor der drohenden Insolvenz zu retten. Und er möchte den Liebesschwur zu seiner Marion erneuern. Die denkt aber nur daran, wie sie Art beibringen wird, dass die nahende Scheidung für sie nicht nur ein Weg ist, die letzten Vermögenswerte zu retten. Sie möchte sich trennen und ein eigenes Leben beginnen.

Art wiederum hofft mit einem unerschüttlichen Optimismus, dass dies das perfekte Wochenende wird. Er plant ein romantisches Dinner, auf dem er Marion einen Ring gemeinsam mit einem erneuerten Eheversprechen überreichen möchte. Doch – wie fast alles auf der Reise – es geht etwas schief: “She always ordered the wrong thing – not because she didn’t know her own tastes but because so often the descriptions were misleading. In the case of the monkfish, there was no mention of walnuts, which, though not allergic, she refused to eat, and had ever since she was a child. […] Art, as always, offered to trade with her. […] He’d finished her monkfish, leaving a slick of walnut pesto.” S. 27ff

Brioches und 100.000 Dollar

Meg Wollitzers Beststeller-Roman Die Interessanten ist Ende August auf Deutsch erschienen. Die amerikanischen Kritiken überschlugen sich, die New York Times fand, dass Wollitzer sich selbst übertreffe. Das allein ist jedoch kein Qualitätsmerkmal, um in eine Ruhmeshalle mit Jonathan Frantzen, Jeffrey Eugenides oder F. Scott Fitzgerald gesteckt zu werden. Viel mehr bringt Wollitzer in ihrem Roman uramerikanische Themen auf’s Tableau: Was ist Glück? Was ist Erfolg? Wie wollen wir unser Leben leben, und wann werden wir es als gelungen bezeichnen? Wollen wir nicht sowieso immer genau das, was wir nicht haben können? Und da wir – die große Mehrheit der Menschen – keine außergewöhnlichen Talente besitzen, heißt das dann im Umkehrschluss, dass unser Leben in seinem Mittelmaß nicht richtig gelebt ist?

Eine Gruppe von Teenagern lernt sich im Sommer 1974 in einem Feriencamp für künstlerisch begabte Jugendliche kennen. Julie Jacobson, die ambitionierte Erzählerin des Romans, wird von einem wohlmeinenden Lehrer dort hingeschickt, um den frühen Krebstod ihres Vaters zu verarbeiten. Obwohl ihre Mutter kein Geld hat und Julie – wie sie meint – kein besonderes Talent. In einer bedeutungsvollen Nacht im Tipii schließt sie einen lebenslangen Freundschaftsbund mit den fünf Interessanten – Ethan, einem dicklichen Jungen mit viel Zeichentalent, Ash, die dem Theater verfallen ist, ihrem Bruder Goodman, der keinerlei Talent besitzt als gut auszusehen, der Tänzerin Cathy und dem musikalisch begabten Jonah, Sohn einer berühmten Folksängerin. Die fünf taufen sie Jules, einen Namen, den sie nicht mehr ablegen wird. Und was aus den Interessanten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird, erzählt uns Jules. Ethan wird zum Beispiel seine eigene Fernsehshow herausbringen und auf einer Erfolgswelle schwimmen.

Seine innige Freundschaft und heimliche Liebe zu Jules bleiben bestehen. Eines Tages besucht er sie in ihrem kleinen, ärmlichen Apartment in New York City, um ihr (dringend benötigtes) Geld zu schenken. Jules und Ethan schwärmen für Paris und die französische Küche.  “He had brought her the best brioches in New York City. ‘They’re as warm as baby birds,’ Jules said when she opened the bag. ‘Peep, peep, peep.'[…] she knew how differently stocket it [Ethans refigerator] would be if she were the one married to him. These brioches would always be on hand, along with the brick of farm butter he had brought.”